Ausschnitt gefällig? ♥
" Ich hatte es mir verboten, an ihn zu denken. In dieser Beziehung versuchte ich sehr streng zu sein. Natürlich passierte mir hin und wieder ein Ausrutscher, schließlich war ich auch nur ein Mensch. Doch es wurde besser, und jetzt gelang es mir manchmal schon, den Schmerz tagelang zu vermeiden. Dafür bezahlte ich mit dieser allesumfassenden Taubheit. Bei der Wahl zwischen Schmerz und dem Nichts hatte ich mich für das Nichts entschieden. Jetzt wartete ich auf den Schmerz. Ich war nicht länger taub - nach so vielen Monaten im Nebel waren meine Sinne jetzt ungewöhnlich geschärft - doch der normale Schmerz blieb aus. Nur die Enttäuschung darüber, dass seine Stimme wieder verschwand, tat weh.
Eine Sekunde lang hatte ich die Wahl.
Es wäre vernünftig gewesen, vor dieser Entwicklung davonzulaufen, die möglicherweise zerstörerisch war und mich mit Sicherheit aus dem Gleichgewicht brachte. Es war idiotisch, Halluzinationen hinterherzulaufen. Doch seine Stimme verschwand.
(...)
Ich wartete darauf, dass sich das dumpfe Gefühl wieder einstellte oder der Schmerz. Denn der Schmerz musste kommen. Ich hatte meine wichtigsten Regeln gebrochen. Anstatt den Erinnerungen aus dem Weg zu gehen, hatte ich sie mit offenen Armen empfangen. Ich hatte seine Stimme überdeutlich gehört. Dafür würde ich büßen, da war ich mir sicher. Vor allem, wenn ich den schützenden Nebel nicht zurückholen konnte. Ich fühlte mich zu wach, und das machte mir Angst.
Doch das stärkste Gefühl war immer noch die Erleichterung - und dieses Gefühl kam aus meinem tiefsten Innern.
So krampfhaft ich es auch vermied, an ihn zu denken, so wollte ich ihn doch nicht vergessen. Spätnachts, wenn der Schlafentzug meine Widerstandskräfte schwächte, machte ich mir manchmal Sorgen, dass mir alles entgleiten könnte. Dass mein Gedächtnis tatsächlich ein Sieb war und ich mich eines Tages nicht mehr an die Farbe seiner Augen erinnern konnte, an seine kühle Haut, oder den Klang seiner Stimme. An all das durfte ich nicht denken, aber ich wolte mich daran erinnnern.
Denn es gab nur eins, woran ich glauben musste, um weiterleben zu können - ich musste wissen, dass es ihn gab. Mehr nicht. Alles andere konnte ich ertragen. Solange es ihn nur gab.
(...)
Wenige Minuten später lag ich im Bett und überließ mich resigniert dem Schmerz, der sich schließlich meldete.
Es war ein lähmendes Gefühl, als hätte mir jemand ein riesiges Loch in die Brust geschlagen , die wichtigsten Organe herausgeschnitten und klaffende Wunden hinterlassen, die einfach nicht aufhören wollten, zu pochen und zu bluten. Mein Verstand sagte mir, dass meine Lunge funktionierte, trotzdem rang ich nach Luft, und in meinem Kopf drehte es sich. Auch mein Herz schlug wohl, doch ich spürte keinen Puls, und meine Hände fühlten sich an, als wären sie blau gefroren. Ich rollte mich zusammen und schlang die Arme um die Brust, als könnte ich meinen Körper so zusammenhalten. Ich versuchte alles, damit die Taubheit zurückkehrte, doch es wollte nicht gelingen.
Und trotzdem konnte ich es überstehen.
Ich war hellwach, ich spürte den schmerzhaften Verlust -er strahlte von der Brust aus, jagte mir in Wellen durch die Glieder und schoss mir in den Kopf, - aber es war auszuhalten. Ich konnte es überstehen. Der Schmerz hatte mit der Zeit nicht nachgelassen, aber ich schien jetzt genug Kraft zu haben, um ihn zu ertragen."
(c) Stephenie Meyer - Biss zur Mittagsstunde.
Und JA, ich habe alles selber abgetippt :D:D
Gute 20 Minuten lang :D
Song Of The Week
Ihr Lieben! :) Hier poste ich jede Woche meinen aktuellen Song der Woche. Je nach Lust & Laune.:) Ihr könnt auch gern Vorschläge bringen. LG , Aurora Jamie Cullum - Please don't stop the music
what i'm focussing on:
you, my dearest.♥
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Leave a comment ;)